


Meine Geschichte
Viele Menschen, die zu mir kommen, glauben zunächst, mit ihnen stimme etwas nicht. Sie verstehen nicht, warum sie immer noch leiden, obwohl die Beziehung vielleicht längst vorbei ist. Sie fragen sich, warum sie nicht einfach loslassen können, warum sie immer noch traurig sind, warum sie zweifeln, warum sie Angst haben oder warum sie immer wieder an denselben Punkt zurückkommen. Und jedes Mal denke ich: Mit Dir stimmt nichts nicht. Du hast einfach sehr lange versucht, etwas auszuhalten, das Dich verletzt hat.
Die meisten Menschen, die ich kennenlerne, sind nicht zu schwach. Sie waren oft viel zu lange stark. Sie haben Verständnis gehabt, wo andere längst gegangen wären. Sie haben gehofft, verziehen, gekämpft und immer wieder versucht, die Beziehung zu retten. Viele haben so viel Energie in den anderen Menschen investiert, dass sie irgendwann den Kontakt zu sich selbst verloren haben. Vielleicht berührt mich das deshalb so sehr, weil ich weiß, wie schnell man anfangen kann, an sich selbst zu zweifeln. Wie schnell man seine eigene Wahrnehmung infrage stellt. Wie schnell man glaubt, man müsse sich nur noch ein bisschen mehr Mühe geben, noch verständnisvoller sein oder noch länger durchhalten. Irgendwann weiß man dann manchmal gar nicht mehr, was eigentlich noch die eigene Stimme ist und was einem über Jahre eingeredet wurde.
Seit vielen Jahren begleite ich Menschen mit den unterschiedlichsten körperlichen und seelischen Belastungen. Dabei habe ich immer wieder erlebt, wie eng Körper und Psyche miteinander verbunden sind. Hinter Erschöpfung, Schlafstörungen, hormonellen Beschwerden, Ängsten, chronischem Stress oder immer wiederkehrenden körperlichen Symptomen stehen oft Geschichten, die nie wirklich verarbeitet werden konnten. Je länger ich mit Menschen arbeite, desto mehr wird mir bewusst, dass Heilung selten nur auf einer Ebene stattfindet. Oft braucht es Verständnis für den Körper, aber genauso Verständnis für die Erfahrungen, die ein Mensch gemacht hat.
Genau an diesem Punkt möchte ich Menschen begleiten. Nicht als jemand, der von oben herab erklärt, wie das Leben funktioniert, sondern als Mensch, als Frau, als Therapeutin und als jemand, der weiß, dass Heilung Zeit braucht. In all den Jahren meiner Arbeit habe ich gelernt, dass Menschen nicht heilen, weil man ihnen die richtigen Ratschläge gibt. Menschen heilen, wenn sie sich verstanden fühlen. Wenn sie aufhören, sich für ihre Gefühle zu schämen. Wenn sie erkennen, dass ihre Reaktionen oft ganz normale Antworten auf unnormale Erfahrungen sind.
Ich habe Menschen erlebt, die beim ersten Gespräch kaum über ihre Geschichte sprechen konnten, ohne zu weinen. Und ich habe dieselben Menschen Monate später erlebt, wie sie wieder gelacht haben, wieder Pläne gemacht haben und wieder Vertrauen in sich selbst gefunden haben. Das sind die Momente, die mich bis heute berühren. Nicht die großen Erfolge. Nicht die perfekten Geschichten. Sondern diese stillen Augenblicke, in denen ein Mensch plötzlich merkt, dass die Vergangenheit nicht mehr jede Entscheidung bestimmt, dass die Angst leiser geworden ist und dass wieder Hoffnung da ist.
Ich glaube, dass jeder Mensch die Fähigkeit in sich trägt zu heilen. Manchmal ist dieser Weg kurz, manchmal dauert er länger. Aber ich habe in meiner Arbeit immer wieder erlebt, dass Menschen viel stärker sind, als sie selbst glauben. Deshalb geht es in meiner Begleitung nicht darum, perfekt zu werden. Es geht nicht darum, nie wieder verletzt zu sein. Es geht darum, sich selbst wiederzufinden, wieder zu lernen, der eigenen Wahrnehmung zu vertrauen und wieder zu spüren, wer man eigentlich ist.
Denn genau das sehe ich immer wieder: Hinter all den Verletzungen, hinter all den Selbstzweifeln und hinter all dem Schmerz ist der Mensch noch da. Manchmal verschüttet. Manchmal erschöpft. Manchmal voller Angst. Aber immer noch da. Und genau diesen Menschen wieder sichtbar zu machen, ist für mich eine der schönsten Aufgaben überhaupt.
Wenn Menschen meine Praxis verlassen, wünsche ich mir nicht, dass sie perfekt sind oder nie wieder Schmerzen haben. Ich wünsche mir, dass sie sich selbst wieder ein Stück näher gekommen sind. Dass sie wieder Vertrauen in ihre eigene Wahrnehmung haben. Dass sie erkennen, wie viel Stärke trotz aller Verletzungen noch in ihnen steckt. Und dass sie spüren, dass ihre Vergangenheit nicht darüber entscheiden muss, wie ihre Zukunft aussieht.

